Inhaltsbereich

aktuell

News

An(ge)dacht

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht!“

Diesen gern zitierten Satz von Václav Havel haben Sie vielleicht auch schon einmal gehört. Das Wort „Hoffnung“ wird in diesen Tagen ja besonders gern beansprucht: „Ich habe die Hoffnung, dass die Infektionszahlen bald sinken“. „Hoffentlich können wir uns bald wieder treffen und einen Kaffee trinken gehen.“ „Hoffentlich finden bald wieder Gottesdienste in den Kirchen statt.“ „Ich habe die Hoffnung, dass wir im Sommer wieder in den Urlaub fahren können.“

Pfarrerin Maret Schmerkotte
Photo: Hajo Gottwald

Solche Hoffnungssätze tun uns gut, und sie helfen uns eine Perspektive nach vorn zu entwickeln: Es wird wieder besser! Aber sie haben auch einen Haken: Sie sind mit der Erwartung eines Erfolgs verknüpft. Tritt der Erfolg nicht ein, hat sich die Hoffnung zerschlagen. Insgeheim wissen wir das und sind entsprechend vorsichtig mit der Formulierung unserer Hoffnungssätze. Hören wir, dass jemand sagt: „Ich habe die Hoffnung, dass die Menschen barmherziger werden im Umgang miteinander“, denken wir vielleicht: „Was ist denn das für ein Träumer!“. Oder auch schon bei solchen Sätzen wie:
„Hoffentlich lernen wir etwas aus dieser Krise“, merken wir, wie sich der Zweifel meldet. Wir wollen ja nicht, dass sich unsere Hoffnungen zerschlagen, denn ohne Hoffnung können wir nun wirklich nicht leben.

Um so mehr gefällt mir aber dieser Satz von Václav Havel: „Hoffnung ist … die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“ Denn hier ist die Hoffnung nicht abhängig vom Erfolg, sondern wird ausnahmslos immer erfüllt, wenn ich mein Leben als sinnvoll erlebe. Oder anders gesagt, wenn ich mir eines bewusst mache: Gott gibt meinem Leben einen Sinn. Er hat mich gewollt. Er will, dass ich lebe. Und deshalb sind auch die dunklen Zeiten in meinem Leben sinnvoll gelebte Zeit.

Mit dieser Einstellung, dass mein Leben Sinn hat, lebe ich in einer Hoffnung, die nicht enttäuscht werden kann. Die Zukunft macht Sinn, egal wie sie ausgeht.
Und dann kann ich auch ganz getrost die träumerischen Hoffnungssätze formulieren: „Ich habe die Hoffnung, dass die Menschen barmherziger werden“ - passend zur diesjährigen Jahreslosung: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist!“ (Lk 6,36)
Natürlich weiß ich, dass es trotz des Appells zur Barmherzigkeit weiterhin unbarmherziges Handeln geben wird und dass nicht jeder versteht, dass wir einen überaus barmherzigen Gott haben, der nichts weiter von uns erwartet als seine Liebe zu verinnerlichen und an andere weiterzugeben. Auch ich werde es nicht immer schaffen barmherzig zu sein. Aber ich weiß eben auch: Barmherzigkeit macht trotzdem Sinn! Egal wieviele Menschen nun barmherziger werden oder nicht. Liebe macht Sinn! Hoffen macht Sinn, und das Leben macht Sinn! Mein Leben macht Sinn!
Deshalb kann ich mit Zuversicht und Vertrauen - ohne Angst - in die Zukunft schauen, auch wenn ich nicht weiß wie sie ausgeht.

Ein hoffnungsvolles Jahr 2021 wünscht Ihnen

Pfarrerin Maret Schmerkotte

zurück

+ + + AKTUELLES + + +

 

Informationen über diese Website

evangelisch in Velbert · Evangelische Kirchengemeinde Velbert

CSS ist valide!