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Einfach mal „chillen“ oder das Lob der Pause

„Lass uns mal ein bisschen chillen“ – so hört man es inzwischen immer öfter, und dass nicht nur in jugendlichen Kreisen. „Chillen“ - ein umgangssprachlicher Begriff für „ausruhen“, „sich entspannen“ oder auch „abhängen“. Eine Pause machen.
Das hört sich leichter an als es heutzutage ist.

Denn „in“ ist das Aktivsein, ständige Erreichbarkeit, Arbeit bis an die Grenze der Belastbarkeit oder auch darüber hinaus. Dauerstress, nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit. (Manche Menschen reden sogar vom „Freizeit-Stress“...) „Es gibt eben immer etwas zu tun!“ Unsere Multifunktionsgeräte, Handys und Computer kennen keine Pausen, sie sind immer einsatzbereit …

Aber der Mensch funktioniert so nicht. Er läuft nicht exakt und pausenlos, er braucht Schlaf und Erholungspausen, er muss auch mal „abschalten“ können. Bekommen wir zu wenig Erholung, fühlen wir uns bald müde, ausgebrannt, erschöpft und antriebslos. Energien und Lebensressourcen versickern und irgendwann sendet der Körper seine Alarmsignale, dass nichts mehr geht!

Gerald Hüther, ein bekannter Hirnforscher, sagt in einem Interview, „dass es gar nicht die Beschleunigung ist, mit der wir zu kämpfen haben, sondern die Tatsache, dass man nicht mehr weiß, worauf es im Leben wirklich ankommt. Erst dann gerät man in eine solche Hektik, in der man alles für wichtig hält… und in eine Situation, in der man all das nicht mehr organisieren kann, was man sich vorgenommen hat.“ (Publik-Forum. EXTRA 7/2013, S. 12)  Es stimmt. Oft tun wir alles gleichzeitig: telefonieren, Musik hören, in den Computer schauen, aber nichts davon machen wir richtig. Wir verlieren uns in der Fülle unserer Aktivitäten und wissen am Ende gar nicht mehr, was wir getan haben. Deshalb rät Hüther zu einer Achtsamkeit, bei der wir die ganz einfachen Dinge wieder bewusst genießen. Wenn ich es schaffe, den Augenblick zu leben, einen Moment inne zu halten, bekommt mein Leben wieder eine ganz neue Intensität. Kleine schöne Momente können zum Besonderen werden. Und ich erkenne dann wieder deutlicher, was im Leben wichtig ist.

Auch unser Glaube kann uns solch ein Innehalten ermöglichen. Denn: Um mich Gott zu öffnen, ist es oft gut, einen Schritt aus meiner Alltagshektik heraus zu gehen. Irgendwo still sitzen, mich sammeln und neu sortieren. Das braucht natürlich Zeit; ich muss im Alltag Pausen einplanen, mir Orte der Ruhe suchen, Urlaub nehmen, mir einen freien Tag in der Woche gönnen. Auch Gott hat Pause gemacht. Im Schöpfungsbericht ist von einem 7. Tag die Rede, obwohl Himmel und Erde bereits vollendet waren. Der Sabbat ist der Tag, an dem Gott ausruhte – und nicht nur das: er brauchte diese Ruhe, um sich an seinem Werk freuen zu können. Schabbat bedeutet: aufhören. Und deshalb ist auch der Sonntag nicht irgendein Kulturgut, das wir aus einer Tradition heraus einhalten müssten, sondern er ist unsere Kraftquelle. Ein großartiges Geschenk! Eine Unterbrechung des Alltags. Zeit, um sich neu zu besinnen. Den PC einmal auslassen und auch der Versuchung widerstehen, dann per Handy die Mails checken zu wollen. Stattdessen einfach mal chillen! D.h. sich entspannt zurücklehnen, spazieren gehen, im Garten ein Tasse Kaffee trinken oder auch sich still in eine Kirche setzen. Gerade in solchen Pausen kann ich gut mit Gott reden; auf jeden Fall spüren, dass er da ist. Und ich merke, dass ich ruhiger werde, gelassener, innerlich freier. Und vor allem: lebendiger und fröhlicher! 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nun einen „chilligen“ Sommer,

Ihre Pfarrerin Maret Schmerkotte

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evangelisch in Velbert · Evangelische Kirchengemeinde Velbert

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